Sir Peter

Sir Peter… Petzi, Mäusebär, Lausebär, Petzibär… seine Namen zeigen eigentlich schon, dass er was von einem Bären hatte ;) Als wir ihn zu uns nahmen war er nun wirklich nicht geplant. Gedacht als Gesellschaft für unseren Sir Anthony nahmen wir einfach das Tier mit, das sich noch am Ehesten aus dem selben Gehege im Wr. Tierschutzhaus mit unserem alten Grummler verstand. Dass er irgendwann mal so eine zentrale Rolle einnehmen würde, hätten wir uns nie gedacht… “Er war mein Lieblingstier” stimmt so nicht ganz, denn schon lange hat er den Status eines Haustieres einfach überschritten und ist zu einem Teil meiner Seele geworden. Er kannte mich besser als alle Menschen, teilweise sogar besser als ich mich selber. Wie oft hat er es einfach mit einem Blick geschafft, meine tiefsten Emotionen rauszukitzeln, die ich verstecken wollte… Er war nicht mehr ein Haustier, er war auch nicht meine Lieblingskatze oder sonstiges… er war mein Seelentier. Die Beschreibung von Michel de Montaigne trifft es vielleicht ein wenig: ‎”Bei dem, was wir gewöhnlich Freunde und Freundschaft nennen, handelt es sich allenfalls um nähere Bekanntschaften, die bei gewissen Anlässen oder um irgendeines Vorteils willen geknüpft wurden und uns nur insoweit verbinden. Bei der Freundschaft hingegen, von der ich spreche, verschmelzen zwei Seelen und gehen derart ineinander auf, dass sie die Naht nicht mehr finden, die sie einte.” Aber selbst diese Worte können nicht fassen, was Petzi und mich verbunden hat.

Sir Peter kam am 09.08.2006 zusammen mit Sir Anthony zu uns. Bereits damals wurde uns prognostiziert, dass er aufgrund seines Schweregrades des GSP-Komplexes wohl mal einen Kiefertumor bekommen würde, der erfahrungsgemäß als Plattenepithelkarzinom zum Tode des Tieres führen wird. Wenn man es also genau nimmt, wussten wir bereits seit seiner Ankunft, woran er mal sterben würde… Die Jahre waren durchzogen von lauter Tierärzten, Tierkliniken, alternativen Behandlungen, monatelangem Zwangsernähren, mehreren Operationen, usw. Doch wenn ich so zurückdenke, fällt mir irgendwie nur die tolle Zeit ein. Das Guten-morgen-Ritual, das Betteln um Futter, dann Kuscheln und Schmusen, das Begrüßen an der Tür, das Spielen und Raufen, die Tatsache, dass er alle Regeln selber bestimmt hat und all unsere anderen Katzen erzogen hat, die Sensibilität mit der er uns so oft erstaunt hat und natürlich das Gute-Nacht-Ritual…

Sir Peter war der vielleicht sozialste Kater, den ich je kennengelernt hab. Er hat alle Tiere erduldet, war niemals gegen jemanden, hat alle Menschen geliebt, egal ob Freunde, die regelmäßig zu uns kamen oder der Gasmann. Er hat all unsere Katzen “erzogen”, hat ihnen gezeigt, dass man nicht auf den Tisch darf, nicht in die Küche usw. Er hat sich rührend an die körperlichen Gegebenheiten unserer Tiere angepasst und sein Spiel und Sozialverhalten einfach an diese angepasst, sei es nun die geistig behinderte Ataxistin, das aufgeweckte Katzenbaby mit Krüppelfüßchen oder die alte grummlige Lady, die nur zum Sterben zu uns kam. Sir Peter hat sie alle geliebt und hat sich immer an sie angepasst. Er konnte mit einem Blick in die Seelen der Lebenwesen schauen und wusste über alles Bescheid…

Sir Peter musste man einfach lieben, es gab keinen Menschen, der sich nicht gefreut hat, wenn er schwänzelnd und maunzend sein herzliches und aufrichtiges Begrüßungsritual vollzog. Wir sind einfach so gesegnet, dass wir das Glück hatten, dieses Seelentier bei uns aufnehmen zu dürfen. Und auch wenn wir ihn nur 5,5 Jahre hatten kann ich mich an ein Leben vor ihm nur schwer erinnern. Es ist einfach, als hätte es kein Vorher gegeben, er war immer schon da. Die Tatsache dass er mal nicht da war oder dass er nun nicht mehr da ist, scheint so surreal, so nichtwirklich. Er hat die Latte an alle Haustiere so extrem hoch angesetzt, dass es unfair wäre, diese als solche zu behalten, da sie einfach unerreichbar ist. Daher stufe ich ihn nicht als Haustier, sondern als Teil meiner Seele ein, denn das war er, er war das Puzzlestück, dass mich komplett gemacht hat und dass er nun nicht mehr bei mir ist wird mich für immer unfertig machen…

Sir Peter, mein Petzi, ich möchte ich so sehr bei dir dafür bedanken, dass du uns für deinen Verbleib ausgewählt hast. Ich wusste nicht, was mir fehlt, bevor ich dich kennenlernen durfte. Und jetzt werde ich auf ewig wissen, wie ich mich als kompletter Mensch gefühlt habe. Ich danke dir für deine Liebe und deine Zuneigung. Ich weiß nicht, wie ich ohne dich weitermachen soll, mein ganzer Tagesablauf war von dir durchzogen, bereits das Aufstehen ist so unrealistisch ohne dich und seit ich auf dein Gute-Nacht-Ritual verzichten muss, kann ich auch nicht mehr schlafen… Du warst nicht ein Partner an meiner Seite, du warst ein Teil von mir und wirst es auch immer bleiben. Es fühlt sich an, als hätt ich einen Teil meines Herzens verloren. Aber trotzdem möchte ich mich aus tiefster Seele bei dir bedanken für das Privileg und das Glück, dich als meinen Seelenteil bei mir gehabt zu haben. Danke…